Brauchen wir eine neue Arbeitswelt?

written by StefanieBallof 1. Dezember 2019
Brauchen wir eine neue Arbeitswelt?

Schlicht und ergreifend heißt die Antwort hier: JA. Wenn man auf die letzten Jahrhunderte zurückblickt, hat es diesen Wandel schon immer gegeben und wird es auch weiterhin immer tun. Seitdem ist einiges passiert – in der letzten Zeit hat sich deshalb der neumodische Begriff „New Work“, zu deutsch „neue Arbeitswelt“ in zahlreichen Köpfen, Workshops und Events manifestiert. Doch woher kommt diese neue Arbeitswelt und was bringt sie uns mit?

Dem möchte ich in meinem ersten Blogpost auf den Grund gehen. Wer sich mit den Beweggründen meines Blogs (siehe hier) näher beschäftigt hat, der wird feststellen, dass ich genau dieses Thema zu meiner „Forschungsfrage“ gemacht habe. Deshalb lasst uns nicht lange zögern und dieser neuen Arbeitswelt auf den Grund gehen!

In diesem Blogpost erfährst du:

  1. Was die neue Arbeitswelt ist und woher sie kommt

  2. Was die neue Arbeitswelt geändert hat

  3. Was die konkret  für Arbeitgeber bedeutet und

  4. Welche Kritik an New Work es gibt

Jahrhundertelang arbeitete der Mensch nur mit den Händen.
Dann kam der Kopf dazu und nun noch das Herz.

Janina Kugel, Chief Human Resources Officer bei Siemens

Der Begriff „New Work“ hat seinen Ursprung bei Frithjof Bergmann, der sich bereits in den 1970er-Jahren sicher war, dass die Welt eine neue Arbeitswelt benötigt. Seiner Ansicht nach hat nichts mehr Potenzial, den Menschen abhängig zu machen, als Arbeit. Aus diesem Grund legte er mit seinen veröffentlichen Thesen zu „New Work – New Culture“ einen grundlegenden Baustein für eine Bewegung, die uns knapp 40 Jahre später mehr denn je beschäftigt und uns vor allerlei Herausforderungen und Chancen stellt. Der Begriff „New Work“ wird zudem auch mit den Bezeichnungen „Neues Arbeiten“ oder „Arbeitswelt 4.0.“ beschrieben. Dass eine Theorie, die schon knapp 40 Jahre alt ist, erst jetzt so richtig Fahrt aufnimmt und einen Wind der Veränderung wehen lässt, liegt nicht zuletzt an der immer weiter fortschreitenderen Digitalisierung und dem mitunter auch damit zusammenhängenden Umdenken der Menschen sowie dem Hinterfragen bestehender Konzepte.

Natürlich suggeriert der Begriff „neues Arbeiten“ auch, dass es auch das „alte Arbeiten“ gab oder nach wie vor gibt. Daher soll die folgende Grafik zeigen, wie dieser Unterschied zwischen beiden Modellen aussieht und was die Neue Arbeitswelt verändert. Es wird deutlich, dass sich die Arbeitswelt hin zu einer Welt entwickelt, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und sich selbstbestimmt ein (Arbeits-)leben erschafft, dass ihn vollumfänglich erfüllt:

Zusammenfassend kann man die oben angeführten Punkte in drei Unterkategorien einteilen, auf die sich New Work auswirkt.

New Work zeigt sich in:
  • der Struktur von Arbeit (z.B. Weg von streng hierarchischen Systemen hin zu Werten wie Selbstbestimmung, Freiheit und gemeinschaftlichem Arbeiten im Netzwerk statt individuellem Einzelkampf)
  • der Einstellung zur Arbeit (Sinnhaftigkeit der Arbeit (siehe Work-Life-Sense), Sicherheitsbedürfnis, Verhältnis Work-Life)
  • Technologie und Digitalisierung (hin zu Paperless Working in „remote“ locations mit modernsten Cloud-Technologien statt papierüberfülltes Großraumbüro mit veralteter IT-Landschaft)

„New Work ist die Arbeit, die der Mensch wirklich will“

Eine zentrale Frage in New Work lautet „In welcher Arbeitswelt möchte ich leben?“. Natürlich wird es den Menschen weiterhin darum gehen, ein möglichst hohes Bruttojahresgehalt zu erzielen. Doch wirklich wichtig wird die Frage nach dem „Wie soll das aussehen? WIE will ich arbeiten?“. Durch die aufbrechenden Strukturen wird es immer einfacher, seine Arbeitssituation ständig zu überdenken und in die Bahnen zu lenken, in denen man seine Zukunft sieht, sei es klassisch als Angestellter, Freelancer oder gar Entrepreneur. Die Arbeitswelt steht jedem in jeder Richtung offen.

Diese Entscheidungsfreiheit führt zu einer Machtverschiebung hin zum potentiellen Mitarbeiter. Dieser wird sich je nach Präferenz, das Unternehmen aussuchen, welches seinen Ansprüchen gerecht wird und ihm die Strukturen bietet, die er sucht. Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demographischen Wandels wird eine Anpassung an die Bedürfnisse der Mitarbeiter immer wichtiger werden

Schöne, neue Arbeitswelt?

So attraktiv eine Arbeitswelt klingen mag, in der jeder nur genau das tut, was seinen Vorlieben und seinen Leidenschaften entspricht, werden auch Stimmen laut, die Kritik an der neuen Arbeitswelt üben. So besteht laut Lars Vollmer ein wesentlicher Denkfehler darin, dass New Work davon ausgeht, Arbeit und der Arbeitende seien absolute Mittelpunkte der unternehmerischen Tätigkeit. Hierbei werde außer Acht gelassen, dass der eigentliche Unternehmenszweck die Befriedigung von Kundenbedürfnissen sei. Somit folge die Arbeit lediglich diesem Zweck. Vollmer lenkt den Blick von Arbeit hin zur Zusammenarbeit und zeigt auf, dass New Work in dieser Betrachtungsweise lediglich ein Fortschritt ist. Eine „interne Perspektive“, die neu regelt, WIE die Arbeit organisiert wird.

New Work ist hier und jetzt

Egal wie wir es drehen und wenden, wir sehen einen Wandel in der (Arbeits-)gesellschaft, der bereits in vollem Gange ist. Strukturen brechen auf, langfristige Arbeitsverhältnisse werden zweitrangig, der Mosaiklebenslauf wird gesellschaftsfähig. Die Frage ist nur, wie wir zukünftig damit umgehen werden und wie sich die Welt im Zuge von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz weiter verändern wird. Der New Work Ansatz bietet eine Grundlage, solche Themen anzugehen und die wichtigen Fragen zu stellen. Und sie zu beantworten.

Wie „new“ ist eure Arbeitswelt?

Zum Abschluss würde mich natürlich interessieren, wie viel von New Work sich bereits in eurem persönlichen Arbeitsleben oder in eurer Strategie als HRler findet? Wie steht ihr zur neuen Arbeitswelt?

Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Bis dahin alles Liebe,

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