Das Impostor Syndrom: Bin ich wirklich ein Hochstapler?

written by StefanieBallof 31. März 2020
Das Impostor Syndrom: Bin ich wirklich ein Hochstapler?

Hast du den folgenden Dialog so oder so ähnlich schon einmal erlebt? Du gratulierst einem Freund / einer Freundin zur wohlverdienten Beförderung. Doch statt dieses Lob bzw. diese Anerkennung anzunehmen, antwortet diese/r:

„Ach, das ist nicht der Rede wert. Ich war bloß zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Du kennst dieses Abtun? Vielleicht sogar von dir selbst? Dann solltest du dir den folgenden Blogartikel zum sog. Impostor Syndrom nicht entgehen lassen. In diesem Beitrag erfährst du:

  • was das Impostor-Syndrom ist
  • welche Ursachen es hat
  • welche Typen man unterscheidet
  • was du als „Betroffene/r“ tun kannst, um diesem Phänomen zu entfliehen

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

Was ist das Impostor Syndrom?

Das Wort Impostor komm aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Hochstapler“. Deshalb wird das Phänomen im Deutschen auch oft das Hochstapler-Syndrom genannt. Da ich persönlich finde, dass der deutsche Begriff für denjenigen, den es betrifft, etwas Angreifendes und Vorwurfsvolles hat, spreche ich hier nur vom Impostor-Phänomen.

Wikipedia definiert den Begriff wie folgt:

„Das Hochstapler-Syndrom, teilweise auch Impostor-Syndrom, genannt, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene von massiven Selbstzweifeln hinsichtlich eigener Fähigkeiten, Leistungen und Erfolge geplagt werden und unfähig sind, ihre persönlichen Erfolge zu internalisieren. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind Betroffene davon überzeugt, dass sie sich ihren Erfolg erschlichen und diesen nicht verdient haben. Von Mitmenschen als Erfolge angesehene Leistungen werden von Betroffenen dieses Symptoms mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten durch andere erklärt. Bei manchen dieser Menschen sind diese Selbstzweifel derart ausgeprägt, dass sie sich selbst für Hochstapler halten und in der ständigen Angst leben, andere könnten ihren vermeintlichen Mangel an Befähigung bemerken und sie als Betrüger entlarven.“

Das Syndrom ist also keine Erkrankung, sondern ein immer wieder aktiv werdendes Verhaltensmuster einer Person, das der Person immer wieder suggeriert, dass sie nicht gut genug ist. Dass all das, was sie vorgibt zu können, eigentlich nur absoluter Fake ist. Und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis dies auch das Umfeld dies merkt. Unter der Oberfläche des Impostors schwelt permanent dieses Minderwertigkeitsgefühl, das sich irgendwann als so selbstverständlich manifestiert hat, dass es dem Betroffenen schwer fällt, aus dieser Negativspirale rauszukommen.

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt:

Aber ist es nicht besser, zu tief zu stapeln, als zu hoch?

Damit hast du auch zu Teilen recht. Denn die Leute, die zu hoch stapeln und sich für unfehlbar halten (das genaue Gegenteil des Impostors), hat genauso Unrecht in seinem Selbstbild wie der Impostor. Allerdings riskiert der, der immer zu tief stapelt, für immer in seinem Versteck zu bleiben. Er riskiert, aus (unbegründeter) Angst, aufzufliegen, der Welt niemals sein wirkliches Potential zu zeigen. Und wäre das nicht super schade?

Woher kommt das Impostor-Syndrom?

Die Ursachen dafür, das manche Leute zu 100% von sich selbst und dem, was sie können, überzeugt sind, während andere permanent an sich zweifeln, sind sehr divers und noch nicht komplett erforscht. Doch wie bei so vielen Dingen wird die Ursache für diese spezielle Form des Minderwertigkeitsgefühls in der Kindheit gesucht. Wer schon früh viel leisten musste, um anerkannt zu werden, der wird auch im Berufsleben dieses Hamsterrad nicht verlassen können.

Hier helfen oft auch wiederholte, offensichtliche Erfolge nicht. Denn statt sich erstmal auf dem Erreichten auszuruhen, wird sich der Impostor auch direkt die Frage nach dem „Was kommt als Nächstes?“ stellen. Denn der Ruf, den er sich aufgebaut hat, muss aufrecht erhalten werden.

Meiner Meinung nach ist auch die oftmals nicht-vorhandene Kultur des Scheiterns der Grund dafür, wieso Menschen nach immer besserer Leistung streben. Aus Angst davor, zu scheitern, geben Sie immer und immer mehr, um gar nicht erst in die Gefahr zu geraten, von anderen als „fehlerhaft“ angesehen zu werden. Eine Negativspirale, aus der der Betroffene irgendwann nur schlecht wieder rauskommt.

Welche Typen des Impostor-Syndroms gibt es?

Die Impostor-Expertin Dr. Valerie Young unterscheidet fünf verschiedene Typen des Impostor-Syndroms:

Typen des Impostor-Syndroms

4 Tipps, um aus dieser Negativspirale rauszukommen

#1 Achte auf deine inneren Dialoge

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Beobachte genau, wann sich die Negativspirale für dich auftut und du das Gefühl hast, die negativen Gedanken in deinem Kopf überschlagen sich. Wie laufen diese Dialoge ab? Gibt es ein immer wiederkehrendes Muster? Etwas, das du dir im Kopf immer wieder sagst?

#2 Hinterfrage diese inneren Dialoge

Lerne, den Unterschied zwischen Realität und deinem inneren Kritiker zu erkennen.

Es hilft, wenn du beginnst, deine aufkommenden Selbstzweifel zu hinterfragen, um sie in Relation zu stellen. Frage dich deshalb in Situationen, in denen ein negativer Dialog hochkommt:

  • Welche Hinweise deuten wirklich darauf hin, dass ich ein Versager bin?
  • Welche Beweise gibt es dafür, dass ich wirklich nichts kann?
  • Sind diese wirklich wahr?
  • Was würde mein bester Freund/meine beste Freundin sagen, wenn ich ihm/ihr all diese Beweise präsentieren würde? Würde er/sie diese genauso unterschreiben?

Indem du dir diese Fragen stellst, nimmst du automatisch eine Vogelperspektive ein, durch die du aktuelle Situation objektiver betrachten kannst, als vorher, weil du nicht mehr zu 100% im Gefühl drin steckst. Das hilft oft, den negativen Druck etwas rauszunehmen.

#3 Meide Vergleiche & halte Erfolge fest

Ganz wichtig: höre auf, dich zu vergleichen. Weder im realen Leben, noch irgendwo auf Social Media. Denn: jeder lebt sein Leben und hat seine Geschichte. Geht seinen eigenen Weg. Wenn du beginnst, dich permanent zu vergleichen, steigt selbstverständlich auch der Druck, mithalten zu müssen. Es steigt der Druck „genau so gut/erfolgreich/schön/reich“ etc. sein zu müssen. Negativspirale vorprogrammiert – und das solltest du meiden!

Was dagegen helfen kann, ist, dir deine Erfolge schriftlich festzuhalten. Hierbei fokussierst du dich nur auf das, was gut gelaufen ist. Deine Erfolge, Chancen, Stärken – egal wie klein oder groß sie sind. Und während du das tust, wirst du merken, dass der innere Kritiker in deinem Kopf immer leiser wird. Ich habe zum Thema Journaling schon einmal berichtet, solltest du Inspiration dazu brauchen.

#4 Durchatmen, Akzeptieren & darüber reden

Wenn dich die Gefühle, ein Versager und Hochstapler zu sein, das nächste Mal übermannen, dann nimm dir einen Moment und atme durch. Mach dir bewusst, dass es nicht nur dir so geht. Laut Studien hatten 2 von 3 Menschen schon einmal ähnliche Gefühle. Akzeptiere die Situation so, wie sie ist und gehe behutsam mit dir um, denn sonst läufst du Gefahr, den negativen inneren Dialog mit weiteren negativen Aspekten zu befeuern.

Mache dir bewusst, dass zwar auch Glück und Zufall eine Rolle spielen. Aber:

Du wärst trotzdem nie da, wo du in diesem Moment bist, ohne deinen Fleiß, deine harte Arbeit, deinen Ehrgeiz und deinen Mut!

Sprich auch über deine Bedenken und Sorgen. Ich bin mir sicher, dass es in deinem Umfeld einige Menschen gibt, die zutiefst an dich glauben und wollen, dass du auf ganzer Linie erfolgreich bist. Vertrau dich diesen Leuten an – du wirst sehen, dass du dem Impostor-Syndrom schon einiges an Kraft nimmst, wenn du mit anderen darüber sprichst.

Du bist nicht allein!

Wenn du dich jetzt irgendwie „ertappt“ fühlst, weil der Text regelrecht von dir gesprochen hat, dann lass dir sagen: DU BIST NICHT ALLEIN. Mich verfolgen diese Impostor-Gedanken auch sehr oft. So bekomme ich beim Schreiben meiner Blogtexte regemäßig einen regelrechten Anfall à la:

„OMG WANN WERDEN SIE MERKEN, DASS ICH EIGENTLICH ÜBERHAUPT KEINE AHNUNG HABE??!?!“

Aber wie gesagt – Einsicht ist der erste Weg zu Besserung und so hilft es schon sehr viel, sich selbst zu reflektieren, um dann einzulenken. Selbst die ganz großen und talentierten Stars und Sternchen halten sich gelegentlich für absolut Heuchler. So hat Emma Watson einmal gesagt:

Es fühlt sich an, als ob ich eine total Betrügerin bin und das, was ich bisher erreicht habe, gar nicht verdiene.

Emma Watson

Deshalb: nimm dich an, so wie du bist, mit all deinen Fehlern und den Dingen, die du vielleicht (noch) nicht so gut beherrschst. Ab und an Mal den Druck etwas aus der Sache rausnehmen, und du wirst sehen, das Leben wird viel entspannter. Irgendwann wirst du merken, wie sich der Gedanke „Ich verdiene diesen Job. Ich verdiene Anerkennung und ich rocke auf ganzer Linie!!“ in deinem Kopf manifestiert.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Umsetzen und bin mir sicher, dass du das, was du erreicht hast und weiter erreichen wirst, zu 100% verdient hast.

No Fake!

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